Woran erkenne ich, ob mein Baby ein zu kurzes Zungenband hat?

Hat mein Baby ein zu kurzes Zungenband?

Du hast das Gefühl, dass bei dir und deinem Kind womöglich ein Stillproblem vorliegen könnte?

Leidest Du unter wunden, schmerzhaften Brustwarzen, das Stillen fühlt sich nicht normal für dich an, Du kämpfst immer wieder mit Milchstaus oder Verhärtungen deiner Brust? Oder das Verhalten deines Babys irritiert dich, da es sich beim Stillen unruhig verhält, sich überstreckt, oder gar die Brust verweigert, viel Aufstoßen muss und Muttermilch erbricht? Oder habt ihr Mühe das Geburtsgewicht wieder zu erreichen?

Diese Zeichen und noch viele mehr können Hinweise auf eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit sowie eine Trink- und Saugschwäche, bedingt durch ein zu kurzes Zungenband, sein. Ob dein Baby ein zu kurzes Zungenband hat, kannst Du anhand dieser „Zungenband-Checkliste“ einschätzen:

Bevor Du mit der Einschätzung beginnst, sollten deine Hände sauber, gewaschen und deine Fingernägel kurz und glatt sein.

Setze dich dazu an einen ruhigen, bequemen und hellen Ort. Nimm dir am besten zur Unterstützung ein stabiles Kissen auf deinen Schoß und positioniere dort dein Baby leicht aufrecht, so dass ihr beide euch in die Augen schauen könnt. Halte dabei das Köpfchen mit deiner flachen Hand. Mit einem Kinderlied oder einem Kinderreim eurer Wahl macht es einfach mehr Spaß.

Zungenband – Checkliste

  • Das erste, was zu prüfen ist, ob dein Baby seine Zunge herausstrecken kann. Mach einfach mit und dein Kind wird dir das Mundöffnen und Herausstrecken der Zunge sicherlich nachahmen wollen. Befeuchte deinen Finger am besten mit etwas Muttermilch. Nun berührst Du mit deiner Fingerspitze sanft die Lippen deines Babys, gleichzeitig wird es wahrscheinlich den Mund öffnen und die leckere Muttermilch abschlecken wollen. Berühre nun mit der Fingerspitze die Vorderseite der unteren Zahnleiste. Dabei wird dein Baby die Zunge herausstrecken. Die Zunge sollte bei geöffnetem Mund flach und rund über die Unterlippe herausgestreckt sein. Wenn dein  Baby die Zunge nur bis an die Unterlippe, ebenso bei geschlossenen Mund herausstrecken kann und die Zunge spitz und dick erscheint, können dies Hinweise auf ein zu kurzes (hinteres) Zungenband sein.
  • Desweiteren ist zu prüfen, wie weit dein Baby die Zunge von der Mündung bis zum Gaumen anheben kann. Auch hier sollte der Mund weit geöffnet sein. Wird die Zunge ab Ansatz bis zum Gaumendach bei weit geöffnetem Mund angehoben, dann ist das perfekt. Selbst auf halbem Weg zum Gaumen hin, kann es ausreichend sein und die meisten Babys können in der Lage sein, an der Brust zu trinken. Ein Großteil der Babys mit einem zu kurzen Zungenband können ihre Zunge nur anheben, wenn der Mund geschlossen ist.
  • Als nächstes prüfst Du mit deinem Finger, inwiefern die Zunge deines Babys deinem Finger folgt. Fahre mit deiner Fingerspitze langsam auf der unteren Zahnleiste hin und her, die Zunge wird versuchen deinem Finger zu folgen. Wenn sich die Zunge verdreht, dann ist es ein Zeichen für ein zu kurzes Zungenband.
  • Nun folgt das Ertasten des Mundbodens und des Zungenbandes. Führe deinen Finger unter die Zunge und führe ihn direkt am Ansatz der Zunge von der einen Seite zur anderen hin und her. Spürst Du mittig unter der Zunge deines Babys einen Widerstand und kommst mit deinem Finger nicht problemlos hin und her, dann hast Du das Zungenband getastet. Bei einem zu kurzen Zungenband kann es schwierig sein, den Finger unter die Zunge zu führen und die Zunge wird eher zurückgeschoben.
  • Der letzte Punkt der Einschätzung ist die Beurteilung der Zungenlage beim Weinen deines Kindes. Richten sich nur die Zungenränder der Zunge auf und sie sieht aus wie ein flacher Löffel oder die Zungenmitte bzw. die gesamte Zunge bleibt flach am Mundboden liegen,  ist das ein sicheres Zeichen eines zu kurzen Zungenbandes.

Weitere Hinweise:

  • Die Zunge sieht herzförmig aus.
  • Der Mund geht beim Stillen nicht weit auf.

Zungenband – ja oder nein?

Höchstwahrscheinlich weißt Du nun, ob dein Baby ein zu kurzes Zungenband hat oder nicht. Der beste Weg, um ein vorderes (Ankykloglosson, Frenulum breve antererior) sowie hinteres zu kurzes Zungenband (Frenulum breve posterior) zu diagnostizieren, ist die Zunge mit einer Hohlsonde anzuheben. Erfahrene Stillberaterinnen, Hebammen, Ärzte und andere angrenzende Fachgruppen, die Zungenbänder diagnostizieren und behandeln, haben in der Regel eine. Im Vordergrund der Diagnostik steht allerdings immer die Funktion und weniger die Optik des Zungenbandes.

Bist Du dir nicht sicher, ob dein Baby ein zu kurzes Zungenband hat und was die Gründe für eure Stillprobleme sind, dann wende dich einfach an eine Stillberaterin, welche sich mit der Diagnostik und Behandlung von Zungenbändern auskennt und euch unterstützt.

Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Daniela Fehmann, IBCLC (LaFehDa – Still- und Laktationsberatung)



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