Kolostrum – die erste Milch fürs Baby

Wenn das Baby geboren wird, betritt es die Welt der Mikroorganismen. Der Darm des Neugeborenen ist absolut steril, das heißt, er ist noch nicht von Mikroorganismen bewohnt. Die Schleimhäute der Atemwege und des Darms sind noch durchlässig für Viren und Bakterien. Das Baby braucht jetzt eine schützende Substanz, die reich an Antikörpern ist. Das Kolostrum ist dieses „Gold für Babys“. Es enthält Millionen von immun-aktiven Zellen, die das Baby vor Infektionen schützen. Und ist sozusagen eine erste Impfung des Kindes. Dieser Infektionsschutz ist auch ein Grund, warum sich selbst eine sehr kurze Stillzeit lohnt.

Was ist Kolostrum und was bewirkt es?

Kolostrum, die so genannte Vormilch oder auch Neugeborenenmilch, ist eine dicke Substanz, die aufgrund ihres Karotingehaltes gelblich bis orange erscheint. Trotz der eher geringen Menge, die ein Baby trinkt, enthält es alles, was das Neugeborene in den allerersten Tagen braucht. Kolostrum ist für das Neugeborene besonders wichtig. Es ist reich an Immunglobulinen und wirkt anregend auf die Darmtätigkeit, so dass es die Ausscheidung des Mekoniums erleichtert und so der Neugeborenengelbsucht entgegenwirkt. Und noch einen Vorteil hat das Kolostrum: Die Zukunft der Darmflora hängt davon ab, welche Keime den Darm als erstes besiedeln. Enthält das Neugeborene nur Kolostrum, so helfen Bifido-Bakterien und Oligosaccharide auch später diese gesunde Darmflora zu erhalten. Diese haben lebenslange Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Der Darm der Flaschenkindern enthält mehr Enterokokken, ist weniger sauer, was die Abwehr gegen krank machende Keime herabsetzt.

Wie unterscheidet sich Kolostrum von reifer Muttermilch?

Verglichen mit reifer Muttermilch enthält Kolostrum mehr Eiweiß und weniger Fett und Kohlenhydrate. Kolostrum hat einen niedrigeren Energiegehalt als reife Muttermilch und enthält etwa 67 kcal pro 100 ml, während reife Muttermilch etwa 75 kcal pro 100 ml enthält.

Etwa 2 Prozent der Inhaltsstoffe des Kolostrums zählen zu den Fetten, bei der reifen Muttermilch sind es etwa 3,6 %. Die Ernährung der Mutter hat keine Auswirkungen auf die anderen Bestandteile der Muttermilch, aber sie kann das Muttermilchfett deutlich durch das Stillen beeinflussen.

Durch die Aufnahme von Muttermilch nimmt das Baby sechs Hauptnährstoffe zu sich: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fett, Vitamine, Mineralstoffe und Wasser.

Ab wann wird das Kolostrum gebildet?

Während der Schwangerschaft kann das Prekolostrum, eine dünne, klare, visköse Flüssigkeit, bereits im ersten Trimenon (erstes Drittel der Schwangerschaft) vorhanden sein, ohne dass dies jedoch bei einer Untersuchung schon offensichtlich sein muss. Mit fortschreitender Schwangerschaft dickt die Flüssigkeit ein und wird gelblich-weiß. Im zweiten Trimenon (zweiten Drittel der Schwangerschaft) ab etwa der 16. Schwangerschaftswoche kann Kolostrum ausgestrichen werden oder – bei Mehrgebährenden – spontan austreten. Das Kolostrum wird weiter gebildet, bis es in der ersten Woche nach der Geburt allmählich durch die Übergangsmilch – transitorische Milch – ersetzt wird.

Wie lange wird das Kolostrum gebildet? Und was passiert danach?

Vier Tage nach der Geburt beginnt sich die Milch zu verändern. Nicht nur fließt sie jetzt in größeren Mengen, auch Farbe und Zusammensetzung verändern sich. Es ist ein fließender Übergang vom Kolostrum zur so genannten Übergangsmilch – transitorischen Milch – bis hin zur reifen Muttermilch, welche die Frau etwa ab dem zehnten Tag nach der Geburt bildet.

Wie wird die Muttermilch geregelt?

Die ersten zwei bis drei Tage nach der Geburt wird die Milchbildung durch die Hormone selber gesteuert. Nach und nach wird die Milchbildung vor allem durch Angebot und Nachfrage des Saugens und dem Saugverhalten des Babys an der Brust geregelt, was sich durch die initiale Brustdrüsenschwellung – dem „Milcheinschuss“ bemerkbar macht.

Quellen:

  • Stillberatung, Marie Biancuzzo, Urban & Fischer, 2005, 1. Auflage
  • Stillen gesund & richtig, Gabi Eugster / Denise Both, Urban & Fischer, 2009, 1. Auflage
Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Tonicthebrown (Wikipedia)



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