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Mahlzeiten- und Trinkmengen eines Babys

Wie oft sollte denn mein Baby gestillt werden und wie viel sollte es trinken? Was ist normal? Wann weiß ich, ob mein Baby Hunger hat bzw. satt ist? Diese und noch viele weitere Fragen stellen sich die meisten jungen Eltern zu Beginn der Stillzeit. Auch Mütter, welche ihr Baby nicht stillen, stellen sich diese Fragen.

Jedes Baby ist einzigartig und individuell. Der Wach-Schlaf-Rhythmus, die Häufigkeiten der Mahlzeiten, die Trinkmengen, der Zeitpunkt sowie der Zeitbedarf seiner Nahrungsaufnahme sind sehr individuell, abhängig von seinem Temperament und seiner Veranlagung, aber auch von seinem Gesundheits- und Allgemeinzustand sowie dem Geburtsverlauf.

Mama und Baby lernen sich kennen

Lernen sich zwei Menschen kennen und lieben, möchten sie jede Sekunde miteinander verbringen und sind unzertrennlich. Die Hormone laufen auf Hochtouren und beide haben nur noch Augen für sich.

So oder so ähnlich läuft es auch zwischen der Mama und ihrem Baby nach der Geburt ab. Die Zeit nach der Geburt im Wochenbett ist die Zeit, in der sich Mutter und Baby in einander verlieben, sich gemeinsam kennenlernen und ihre Zeit genau so wie in der Schwangerschaft zusammen verbringen. Rooming-in vereinfacht und erleichtert den Stillprozess und das gegenseitige Kennenlernen von Mutter und Kind. Die Stillhäufigkeit ist höher und die Zufütterung ist seltener. Damit diese sensible Phase reibungslos ablaufen kann, das Baby bei Bedarf und so oft wie möglich gestillt wird, sind das 24-Stunden-Rooming-in und das gegenseitige Kennenlernen in den folgenden Wochen sehr wichtig. Somit lernt die Mutter die Bedürfnisse Ihres Babys sowie die ersten Hungerzeichen erkennen und kann diese nutzen, das Baby so zeitig wie möglich anzusetzen. Denn späte Hungerzeichen können das Stillen unnötig erschweren. Auf jedes Bedürfnis des Babys sollte schnell und entsprechend angemessen reagiert werden, wenn es weint weil es Hunger hat oder die Nähe zur Mutter sucht.

Woran erkenne ich das mein Baby Hunger hat?

Die Signale des Babys, wann es wach wird, wann es Hunger hat, wann es gesättigt ist, sind bei den meisten Babys recht ähnlich, je nach Temperament und Veranlagung. Auf die zeitigen Hungerzeichen sollte so schnell wie möglich reagiert werden, um das Stillen nicht unnötig zu erschweren. Bei den meisten Babys laufen diese Hungerzeichen in dieser Reihenfolge ab, beginnend mit den zeitigen Hungerzeichen aufsteigend bis hin zu den späten Hungerzeichen:

  • Schnelle Augenbewegungen
  • Lecken an den Lippen
  • herausstrecken der Zunge
  • Saugbewegungen und Geräusche wie Schmatzen
  • Lecken und Saugen an den Händen
  • Bewegungen des Kopfes und des Körpers
  • Unruhe
  • Weinen

Weinen ist ein spätes Hungerzeichen, das Anlegen und Beruhigen ist dann oftmals schwieriger.

Haben Sie keine Angst Ihr Kind zu verwöhnen. Nahrungsaufnahme und getragen werden sind nur zwei von vielen weiteren überlebensnotwendigen Grundbedürfnissen eines jeden Babys.

Ein Kind kann man nicht genug mit Liebe, Nähe und Geborgenheit verwöhnen!

Wie oft sollte mein Baby gestillt werden?

Generell sollte das Neugeborene am ersten Tag nach der Geburt so oft wie möglich jedoch mindestens acht mal in 24 Stunden und natürlich bei Bedarf gestillt werden. Es ist sinnvoll, in der ersten Zeit das Neugeborene bei jedem Stillen beide Seiten anzubieten und jeweils beidseitig trinken zu lassen. Einige Babys wollen zehn bis zwölf mal pro 24 Stunden gestillt werden, manchmal auch häufiger ganz nach Bedarf, andere sind sehr schläfrig und sollten dann zum Stillen geweckt werden. Eine fünfstündige Pause innerhalb von 24 Stunden ist absolut in Ordnung, wenn das Baby bereits häufig getrunken hat.

Mutter Natur hat perfekt dafür gesorgt, dass jeder Säugling so „programmiert“ ist, dass er fähig ist, die Milchbildung und -produktion so schnell wie möglich in Gang zu bekommt und Mama genau die richtige Milchmenge zur Verfügung hat, die es braucht, um seinen Hunger zu stillen und sich optimal zu entwickeln. Dank dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, so wie es das Naturgesetz vorsieht, stimmt die Milchmenge immer, wenn das Baby nach Bedarf gestillt wird. Bis sich die Stillbeziehung eingespielt hat, können gut sechs bis acht Wochen vergehen. Jede Mutter entwickelt mit ihrem Kind während der Stillzeit ihren ganz individuelles Stillverhalten, so dass es für beide passend ist.

Immer trinken lassen, wenn es nach der Brust verlangt und so lange trinken lassen, wie es möchte.

Wie viel sollte mein Baby trinken?

In den ersten Tagen nach der Geburt wird ein Neugeborenes zwischen zwei und zwanzig ml pro Mahlzeit trinken. Mit jedem Tag steigt der Bedarf um etwa zehn Milliliter pro Mahlzeit. Ab dem zehnten Lebenstag wird das Baby 1/6 vom Körpergewicht kg pro Tag trinken.

Beispiel: Wiegt ein Baby am zehnten Tag 3500 g, dann liegt der Tagesbedarf dieses Babys bei etwa 583 ml Muttermilch / industrielle Muttermilchersatznahrung. Pro Mahlzeit – aller zwei bis drei Stunden – würde das Baby etwa 50 bis 60 ml trinken.

Auch Babys, welche nicht gestillt werden, sollten ganz nach Bedarf ernährt werden, ohne festen Zeitplan. Vorausgesetzt sie sind gesund und entwickeln sich ihrem Alter entsprechend.

Beim Stillen weiß ich gar nicht wie viel mein Baby trinkt!

Babys, welche gestillt werden, gesund sind und sich normal dem Alter entsprechend entwickeln, brauchen keine Kontrolle über ihre Trinkmenge. Zufriedenheit nach dem Stillen, mindestens sechs bis acht gut gefüllte Windeln mit klarem Urin, eine rosige, elastische Haut, glänzende Augen, eine flache Fontanelle, sind die wichtigsten Zeichen, um als Mutter beruhigt zu sein, dass das Kind auf jeden Fall genug Flüssigkeit erhält.

Woran erkenne ich das mein Baby gesättigt ist?

Babys teilen sich durch ihre individuellen Hungerzeichen mit wann sie Hunger haben und wann sie gesättigt sind. Ist ein Baby gesättigt, wird es von alleine die Brust los lassen. Möchte ein Baby nach kurzer Zeit noch einmal an der Brust trinken, ist das kein Problem, zum Beispiel nach dem Bäuerchen, denn da ist wieder etwas Platz für einen kleinen Nachschlag.

weitere Beiträge zu diesem Thema:

Stilltipps – für einen gelungenen Stillstart

Kolostrum – die erste Milch fürs Baby

Zufüttern und Beruhigungssauger im frühen Wochenbett- Auswirkungen auf das Stillverhalten und -verlauf

Quellen:

  • Stillberatung, Marie Biancuzzo, Urban & Fischer, 2005, 1. Auflage
  • Stillen gesund & richtig, Gabi Eugster / Denise Both, Urban & Fischer, 2009, 1. Auflage
Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Annelie Brux – Fotografier mich.net



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