Midwife examining newborn baby at postnatal care in practice checking weight with scale

Still- und Laktationsberatung – Ablauf, Kosten und Vorteile der Expertenberatung

Teil 2

Wann sollte ich mich an eine IBCLC wenden?

Hebammen leisten die Grundversorgung in der Stillberatung. In besonderen Situationen, bei Erkrankungen von Mutter oder Kind, bzw. wenn komplexe Stillprobleme auftreten, sollte die Still- und Laktationsberatung durch eine IBCLC in Anspruch genommen werden. Das kann bereits während der Schwangerschaft geschehen, wenn Erkrankungen oder andere Probleme bereits bekannt sind, oder nach der Geburt, wenn Stillprobleme mithilfe der Nachsorgehebamme allein nicht behoben werden können.

Wo finde ich eine IBCLC in meiner Nähe?

Eine professionell ausgebildete Still- und Laktationsberaterin IBCLC in der Nähe findet man unter:

Babyfreundliche Krankenhäuser verfügen zum Teil über eine Stillambulanz und bieten Stillgruppen an, welche von IBCLC`s  geleitet werden. Auch in Familienzentren, Hebammen- und Arztpraxen, „babyfreundlichen“ Apotheken und Telefonbüchern kann man Kontaktdaten von IBCLC`s aus der Nähe erhalten. Manche IBCLC`s haben auch eine eigene Homepage, diese findet man im Internet mithilfe der Suchmaschinen.

In meiner Nähe gibt’s keine IBCLC. Kann sie mich auch telefonisch beraten?

Eine Beratung über eine größere Distanz ist natürlich nicht ganz so einfach, wie die persönliche Beratung. Aber in der Not ist vieles möglich und diese macht gewöhnlich erfinderisch. Einige Schwierigkeiten oder Probleme lassen sich zum Teil auch über Medien wie Telefon, E-Mail, Skype, Whatsapp oder SMS / MMS besprechen oder klären. Fotos oder Videos vom aktuellen Problem können ebenso erstellt und verschickt werden. Das ersetzt zwar keine persönliche Stillberatung, aber es ist eine Möglichkeit.

Kommt eine IBCLC auch nach Hause?

Je nach Leistungsangebot der freiberuflichen IBCLC wird die Stillberatung im Rahmen eines Hausbesuches, in der eigenen Stillpraxis, Stillambulanz oder auch in der Arztpraxis durchgeführt.

Ein vergleichsweise kleiner Anteil der IBCLC`s ist freiberuflich tätig, der überwiegende Anteil arbeitet in Krankenhäusern, z.B. als Stillbeauftragte.

Welche Leistungen bieten IBCLC`s an?

Die Grundlagenberatung und auch die Grundlagen einer speziellen sowie besonderen Beratung, was Stillkomplikationen angeht, beherrschen alle IBCLC`s. Darüber hinaus kann es Unterschiede in den Angeboten geben. Auch unter den IBCLC`s gibt es Spezialgebiete, auf welche sich einige IBCLC`s zusätzlich spezialisiert haben, wie bei Kindern mit ganz besonderen Bedürfnissen, z. B. mit einer Gaumenspalte, Down-Syndrom, Relaktation, Adoptivstillen oder extreme Frühgeborene. Wobei der Bereich der Frühgeborenen von jeder IBCLC beherrscht und optimal betreut werden kann.

Was kostet die Beratung einer IBCLC? Übernimmt die Krankenkasse diese Kosten?

Die Stillberatung durch eine IBCLC ist eine private Leistung und kann in der Regel nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden. Im Einzelfall ist eine Erstattung der Kosten möglich. Bei der jeweiligen Krankenkasse kann ggf. mit einem Kostenvoranschlag die Kostenerstattung erfragt werden.

Jede IBCLC legt ihren Vergütungssatz selber fest. Die Honorarsätze variieren von ca. 40 €/Stunde bis um die 100 €/Stunde, abhängig von der Spezialisierung der IBCLC und vom jeweiligen Wohnort. Einige IBCLC`s rechnen pro Beratung ab, andere pro Stunde. Das Honorar sowie der Ablauf sollten vor der Beratung direkt bei der IBCLC erfragt werden. Bei der Krankenkasse kann die bereits beglichene Rechnung zwischen Kundin und IBCLC eingereicht und eine Kostenerstattung auf Kulanz erbeten werden.

Wird die Beratung von den Krankenkassen übernommen, wenn die Hebamme gleichzeitig eine IBCLC ist?

Die Vergütung, die Hebammen für die Stillberatung erhalten, deckt den Zusatzaufwand bei komplexen Situationen nicht ab. Auch Hebammen mit der zusätzlichen Qualifikation zur IBCLC müssen für eine Stillberatung eine Rechnung stellen, sofern diese über die normale Wochenbettbetreuung hinausgeht.

Wie und wann bezahle ich das Honorar? Bar oder per Überweisung?

Das Honorar wird im Anschluss an die Stillberatung entweder in bar beglichen oder an die IBCLC überwiesen, und ist dann fällig, wenn die Leistung erbracht worden ist, also nach der Beratung.

Die Milchmädchenrechnung – Stillberatung vs. künstliche Säuglingsnahrung

„Bei der Betrachtung der Honorargebühren für eine IBCLC muss berücksichtigt werden, dass mithilfe der Still- und Laktationsberatung die Kosten für künstliche Säuglingsnahrung entfallen können. Der finanzielle Mehraufwand für künstliche Säuglingsnahrung beträgt etwa 120 €/Monat, wenn das Baby gar nicht gestillt wird. Wenn die Mutter durch die professionelle Stillberatung nur einen Monat weiterstillt und z.B. zweimal 60 € für die Beratung bezahlt, hat sie im Endeffekt nichts dazu bezahlt und die Stillberatung quasi kostenlos erhalten. In der Realität liegt die Ersparnis deutlich höher, da die Stillbeziehung viele Monate weiter aufrechterhalten und auf Säuglingsnahrung verzichtet werden kann.“ (Ausschnitt aus dem Interview mit Monika Jahnke, der 1. Vorsitzenden des Berufsverbands Deutscher LaktationsberaterInnen (BDL))

Wann macht es Sinn, eine Kostenerstattung bei den Krankenkassen zu beantragen?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Still- und Laktationsberatung in Einzelfällen, in ganz besonderen Situationen, z. Bsp. bei Spalt- und Down-Syndrom-Kindern. In solchen Fällen empfiehlt es sich bei der jeweiligen Krankenkasse bereits im Vorfeld einen Antrag zu stellen, und zwar vom Kinderarzt ausgestellt – das ist in diesem Fall sehr wichtig. In diesem Fall kann eine Stillberatungssequenz von 5 oder 10  Beratungen von der Krankenkasse direkt übernommen werden. Darüber entscheidet die jeweilige Krankenkasse bzw. der jeweilige Sachbearbeiter individuell und es liegt in seinem Ermessen, ob die Kosten ganz, teilweise oder nicht übernommen werden.

Lohnt sich die Mühe, die Kostenerstattung zu beantragen?

Die Krankenkassen arbeiten alle nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn viele Mütter die Erstattung beantragen, werden die Krankenkassen auf die erhöhte Nachfrage sensibilisiert und sind dann eher bereit diese Kosten in ihren Leistungskatalog mit aufzunehmen.

weitere Themen zur Still- und Laktationsberatung:

Teil 1 – Was unterscheiden Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC von Hebammen?

Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Kzenon (Fotolia)



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