Stilltipps - für einen gelungenen Stillstart

Stilltipps – für einen gelungenen Stillstart

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt. Das heißt leider nicht, dass Stillen sofort und immer von Anfang an klappt. Stillen kann aus den unterschiedlichsten Gründen nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. Stillen kann wehtun, frustrieren und immer wieder durch Unsicherheiten, Unwissenheit und mangelnde Unterstützung Schwierigkeiten bereiten.

Damit Sie mit Ihrem Kind eine wundervolle Zeit erleben dürfen, habe ich für Sie einige wertvolle Stilltipps zusammengestellt.

Auf den Anfang kommt es an!

  • Stillen beginnt  im Kopf und nicht an der Brust. Die fachgerechte Beratung vor der Geburt im Geburts- und / oder Stillvorbereitungskurs ist sinnvoll, egal ob und welche Erfahrungen Sie bereits zum Stillen haben.
  • Zur Verhinderung von wunden Brustwarzen sind keine vorbereitenden Maßnahmen nötig. Manipulation an den Brustwarzen sowie Abdrücken von Kolostrum während der Schwangerschaft kann vorzeitige Wehen auslösen und zu einer Brustentzündung führen.
  • Das Rubbeln oder Bürsten der Brustwarzen entfernt die schützende Fettschicht, welches die Brustwarzen geschmeidig hält.
  • Durch eine optimale Betreuung und durchgehende emotionale Unterstützung durch die Hebamme während der Geburt, können zusätzliche Interventionen gesenkt werden. Medikamente und operative Maßnahmen können sich negativ auf den natürlichen Hormonhaushalt und die anschließende Stillzeit auswirken. All diese Eingriffe können das Bindungsverhalten nach der Geburt erheblich stören.
  • In den ersten Stunden nach der Geburt ist ein ungestörter Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind äußerst wichtig, so wird das Baby seinen Weg allein zur Brust finden können. Haben Sie Geduld und gönnen Sie sich beiden die Zeit. Mutter und Kind brauchen nach der Geburt vor allem Zeit und Ruhe, gedämpftes Licht, einfühlsame Betreuung und Zuspruch in ihrem Können.
  • Der Saugreflex des Babys ist innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt auf dem Höhepunkt und das Baby daher zeitnah interessiert am Suchen, Finden und Erfassen der Brust. Schmerzmittel unter der Geburt können sich ungünstig auf das Saugverhalten des Babys auswirken, Babys sind vermehrt schläfrig und zeigen weniger Interesse am Saugen.
  • Klinikroutine wie Messen, Wiegen, Baden sollen die sensible Phase und den innigen Bindungsaufbau von Mutter und Kind nicht stören. Diese Maßnahmen können auch noch später, optimal nach dem ersten Saugen an der Brust, nachgeholt werden. Auf das frühe Baden zu verzichten, kann sich nicht nur äußerst günstig auf das Bindungs- sowie Stillverhalten auswirken, sondern bietet zudem ebenfalls dem Baby einen optimalen Schutz für seine junge und sensible Haut.
  • Mutter-sein, heißt 24 Stunden für sein Baby dazu sein. Genießen Sie die gemeinsame Zeit in den Babyflitterwochen durch viel Nähe, Wärme, Körper- und Hautkontakt. Es fördert die innige Mutter-Kind-Bindung, Stillen nach Bedarf führt zu einer besseren Milchbildung, Sie lernen sich beide besser kennen und können somit die beidseitigen Bedürfnisse frühzeitig stillen. Die Nähe tut Ihnen beiden gut, Stress lässt sich daher für Mutter wie fürs Baby besser abbauen. Die Stillhormone Prolaktin und Oxytocin wirken entspannend und machen Mütter ausgeglichener. Das hilft, die aufregende Zeit mit dem Baby besser zu meistern.
  • Die beste Prävention von Stillproblemen, ist das Wissen über das Anlegen und Positionieren sowie die verschiedenen Stillpositionen. Reagieren Sie zeitnah auf die Hungerzeichen und Bedürfnisse Ihres Babys. Je früher Sie die Signale Ihres Babys sowie Ihre wahrnehmen und auf diese reagieren, desto einfacher lässt sich das gemeinsame Ziel erreichen. Nur wer seine Bedürfnisse gestillt bekommt, wird zufrieden und entspannt sein.
  • Ein Baby hat rund um die Uhr Bedürfnisse. Stillen Sie es daher auch nachts nach Bedarf.
  • Stillen Sie an einen ruhigen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen. Wählen Sie eine bequeme, leicht aufrechte oder zurückgelehnte Sitzhaltung. Dabei entscheiden Sie persönlich, den Grad der Körperneigung so anzupassen, dass es mit dem Stillen funktioniert. Das anfänglich häufige Halten des Babys sowie der Körperkontakt und das Entleeren der Brüste sind entscheidend für die Regulation der mütterlichen Milchmenge.
  • Die Stillzeit ist eine sensible Phase für Mutter und Kind. Ärger, Hektik, Stress und Angst sowie Unsicherheit, mangelndes Vertrauen in die eigene Stillfähigkeit, Leistungsdruck, Verkrampfung etc. sind Faktoren, die den Milchfluss behindern können. Außerdem kann der Milchspendereflex auch durch Krankheit sowie durch Alkohol und Rauchen  der Mutter verzögert oder vermindert sein.
  • Beruhigungssauger und Flasche können sich gerade zu Beginn der Stillzeit nachteilig auf das Saugverhalten des Babys an der Brust auswirken. Daher ist es ratsam in den ersten Wochen auf den Beruhigungssauger und der Flasche zu verzichten, bis sich die Stillbeziehung zwischen Ihnen beiden gut eingespielt hat. Verwenden Sie einen Beruhigungssauger nicht als Ersatz fürs Stillen oder um Mahlzeiten hinauszuzögern!
Nicht jede Geburt läuft reibungslos ab. Aus diesem Grund benötigen Mutter und Baby genauso einen guten Start ins Leben und beim Stillen.
  • Babys mit Anpassungsschwierigkeiten, Erkrankungen oder Behinderungen können sich auf Mamas Brust durch den engen Hautkontakt und der körperlichen Wärme besser erholen und ihr Befinden stabilisieren – besser als jedes Wärmebett! Das Nachholen des innigen Hautkontaktes sollte für Mutter und Kind jederzeit möglich sein und gewährleistet werden. Wenn die Mutter nicht in der Lage ist, kann der Vater seinem Baby genauso gut Wärme und Erholung spenden und diese Rolle übernehmen.

Stillen ist Therapie, Muttermilch ist Medizin!

  • Falls das erste Anlegen unmittelbar nach der Geburt nicht möglich ist, sollte zeitnah, in kurzen Abständen und nach Bedarf des Babys, Muttermilch per Hand und später durch eine elektrische Handpumpe gewonnen werden. Ein Hinauszögern oder Verschieben der Milchgewinnung ist nicht sinnvoll, sondern kann sich ungünstig auf die Milchbildung auswirken.
  • Von seinem Baby oder von seiner Mutter getrennt zu sein, bedeutet für beide enormen Stress. Ein Bild von Ihrem Baby kann Ihnen etwas Trost spenden. Besuchen Sie Ihr Baby so oft es geht. Ihnen beiden wird die Nähe zu einander gut tun, Sie und Ihr Baby werden sich besser erholen können.

Vertrauen Sie als Mutter Ihrem Instinkt und darauf, dass das Baby mit allem ausgestattet ist, sich selbst zu ernähren, wenn ihm die Gelegenheit gegeben wird.

Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Daniela Fehmann, IBCLC (LaFehDa – Still- und Laktationsberatung Dresden)



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