Zufüttern – Gründe und Auswirkungen auf den Stillverlauf

Zufüttern – Gründe und Auswirkungen auf den Stillverlauf

Sind die Voraussetzungen für einen natürlichen Stillbeginn gegeben, wie ununterbrochener Mutter-Kind-Kontakt mit Stillen nach Bedarf Tag und Nacht von Geburt an, ganz nach dem Prinzip des 24-Stunden-Rooming-in`s, sowie ein bedürnisorientiertes Stillverhalten von Mutter und Kind, ist das Zufüttern meist unnötig und wirkt sich vor allem störend auf die sich entwickelnde Stillbeziehung aus.

Wie wirkt sich das Zufüttern in den ersten Tagen auf den weiteren Stillverlauf von Mutter und Baby aus?

Glukoselösungen oder gar Flaschenmilch zu zufüttern sind bei einem gesunden Baby nicht nötig. Erhält das Baby zusätzliche Nahrung kann das bedeuten, dass das Baby mehr schläft und Mahlzeiten an der Brust auslässt. Dies wiederum führt zu einer mangelnden Anregung und Stimulation der Stillhormone Oxytocin (Milchspendehormon) und Prolaktin (Milchbildungshormon). Unter Umständen kann das erhebliche Folgen für die Bildung und Produktion der Muttermilch und den weiteren Stillverlauf bedeuten.

Wenn das Baby zu gefüttert werden muss.

Benötigt ein Baby zusätzlich zum Stillen Nahrung, ist Muttermilch die erste und beste Wahl. Manchmal gibt es eben doch Situationen, in denen zugefüttert werden muss und ein Säugling zusätzlich zur Muttermilch andere Nahrung benötigt, wenn Muttermilch noch nicht ausreichend oder sofort verfügbar ist. Diese medizinischen Gründe für das Zufüttern sind in den Richtlinien der WHO / UNICEF geregelt. Zertifizierte „Babyfreundliche Krankenhäuser“  halten sich an diese Richtlinien.

Nicht geeignet zum Zufüttern sind Wasser, Tee, Glucose (Zuckerlösung) oder Maltodextrin (Malzzucker). Tee ist Wasser mit Kräuterauszügen, aber Babys brauchen eiweiß-,  vitamin- und mineralstoffreiche Nahrung.  Wasser und Tee enthalten keine also 0,0 Nährwerte. Glucose und Maltodextrin sind Zuckerlösungen. Der Blutzuckerspiegel steigt rasch an und fällt dementsprechend auch schnell wieder ab.

Die Folgen sind starke Blutzuckerschwankungen und erhöhte Bilirubinwerte (De Carvalho M, Klaus MH, Merkatz RB: Frequency of breastfeeding and serum bilirubin concentration. Arch Dis Child, 1982. 136: S. 737-738). Andere Flüssigkeiten als Kolostrum stören zudem den Appetit, das Saugverhalten und verzögern das Einsetzten der Milchbildung.

Die geeignete, artgerechte Nahrung ab der Geburt des Babys sind Kolostrum bzw. Muttermilch als erste Wahl, pasteurisierte Spenderinnen- oder Frauenmilch als zweite Wahl und als dritte Wahl künstliche Säuglingsmilch.

Kolostrum und Muttermilch wirken sich stabilisierend auf den Blutzuckerspiegel aus und sind perfekt auf das Neugeborene in der Zusammensetzung und den Inhaltsstoffe abgestimmt. Häufiges Stillen mindestens acht bis zwölf Mal in 24 Stunden wirken sich positiv auf die Milchbildung und einen niedrigen Bilirubinwert aus. Durch das Saugverhalten an der Brust bestimmt der Säugling die Konsistenz der Muttermilch sowie die Muttermilchmenge – ganz nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Welche Säuglinge benötigen zusätzlich zur Muttermilch andere Nahrung?

Zufüttern mit anderen Flüssigkeiten außer Muttermilch in den ersten Tagen nach der Geburt sollte nur aus rein medizinischen Zwecken erfolgen, zum Beispiel bei

  • Sehr früh geborenen Babys unter der 32. SSW, mit einem Geburtsgewicht unter 1500g,
  • Säuglinge mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht (SGA – small for gestational age – untergewichtige, zu kleine Neugeborene in Bezug auf ihr Reifealter),
  • Säuglinge, welche aufgrund medizinischer Probleme zu niedrige Blutzuckerwerte oder ein Risiko dafür habe,
  • Säuglinge, welche dehydriert „ausgetrocknet“, fehl- oder unterernährt sind,
  • Säuglinge mit starkem Gewichtsverlust von mehr als 10% in den ersten Lebenstagen,
  • Stoffwechselstörungen.

Die meisten Stillprobleme entstehen in den ersten Tagen nach der Geburt, oftmals durch Unwissenheit und mangelnder Unterstützung, aber auch durch vermeintlich „gute Ratschläge“ aus dem näheren Umfeld.

Weitere Beiträge zum diesem Thema:

Kolostrum – die erste Milch fürs Baby

Stilltipps – Für einen gelungenen Stillstart

Zu wenig Muttermilch oder falscher Alarm?

Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung

Die Stillbeziehung von Mutter und Kind sowie die Entwicklung des Babys verlaufen nicht bei allen gleich, sondern können sehr individuell sein. Die Informationen dienen als Unterstützung und ersetzen keine professionelle Beratung. Unterstützung und Beratung erhalten Sie durch Ihre Hebamme, Still- und Laktationsberaterin oder auch durch Ihren Kinder- / Frauenarzt. Zögern Sie nicht, die Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, wenn Sie etwas beschäftigt oder unsicher sind.
Bei Anliegen, Fragen oder Problemen können Sie sich natürlich auch an mich wenden. Gerne unterstütze ich Sie!

Daniela Fehmann

Foto: © Daniela Fehmann, IBCLC (LaFehDa – Still- und Laktationsberatung Dresden)



  1. Dendić-Bunk Simone Says: Februar 25, 2017 at 10:21 am

    Liebe Frau Fehmann,
    was empfehlen Sie in einem Spital zum Nachfüttern bei Babys in einem Spital wenn doch dtl Unruhe bzgl des Kindes besteht bevor die Mütter den Milcheinschuss haben. Und auch bei Kinder in bestimmten Situationen.
    Es handelt sich um eine normales Wochenbett. Keine Neonatologie.
    Es wird vorwiegend MD gegeben.
    Diesbezüglich herrscht jetzt eine grosse Diskussion (Kinder früher wieder unruhig, BZ) etc.
    Das Argument bzgl Fremdeiweissgabe bei Formula war damals der Ausschlag als erstes Mittel MD zu nehmen.
    Was bzgl dem „Artgerechten“ auch ein Gutes ist.
    Wäre auch für aktuelle Artikel bzgl Erkenntnissen von MD sehr dankbar. Auch viell bzgl meiner Erkennntis was Zucker mit uns macht. Hatte das Buch „Pur, weiss, tödlich“ gelesen.
    Danke für Ihre Antwort.

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